Afrikanische Leichtigkeit. Deutsche Präzision.
Über mich
Gesungen habe ich, seit ich denken kann. In meiner ersten eigenen Wohnung habe ich oft bei offenem Balkon gesungen, einfach so, beim Aufräumen, beim Kochen. Irgendwann sprachen mich Nachbarn an: Ach, du bist die, die da immer so schön singt. Das hat mich überrascht – ich hatte nicht wahrgenommen, dass jemand zuhört. Für mich war es kein Auftritt. Es war einfach, was ich tat.
Nach der zehnten Klasse wollte ich entweder Stewardess oder Sängerin werden. Stewardess fiel weg – ich war zu klein. Also fing ich an zu arbeiten, in Berufen, die mit Sprache zu tun hatten, später mit Organisation, dann mit dem Veranstalten von Musik. Ich habe internationale Chorwettbewerbe mitgeplant, mit bis zu 20.000 Teilnehmenden aus aller Welt – und dabei verstanden, dass das Organisieren von Musik und das Machen von Musik im Grunde dasselbe sind. Beides ist Timing. Beides ist Hören. Beides funktioniert nur, wenn man weiß, was als Nächstes kommt. Gute Planung hat den Beat eines Songs.
Das Singen lief immer parallel mit. Erst als Hobby, dann ernster. Mit Mitte zwanzig habe ich begonnen, regelmäßig Unterricht zu nehmen – klassisch zuerst, dann Pop, später Jazz und Soul. Ich habe in Bands gesungen, 2017 die Motormouth in Hairspray gespielt. Mit vierzig kam Klavier dazu, und irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Das ist nicht mehr die Sache nebenher. Das ist die Sache. Heute singe ich hauptberuflich. Was nach Umwegen aussieht, war für mich nie einer. Es war ein langer Weg zu der Selbstverständlichkeit, mit der ich heute auf einer Bühne stehe.
Mein Vater kommt aus dem Kongo, meine Mutter ist Deutsche. In meiner Kindheit waren wir oft auf den Studentenfeiern, die mein Vater und seine Freunde in den Wohnheimen veranstaltet haben. Eine Djembe war öfter zu hören als ein Radio. Musik war bei uns nichts, das man einschaltete – sie war einfach da, als Sprache, als Gastfreundschaft, als das, was Menschen zusammenbringt. Diese Selbstverständlichkeit ist mir geblieben. Sie ist das, was meine Arbeit heute am stärksten prägt.
Vor jedem Auftritt bin ich nervös. Auch nach all den Jahren. Ich habe gelernt, dass das nichts ist, was weg muss – es ist genau das, was mich konzentriert macht. Ohne diese Anspannung würde wahrscheinlich etwas fehlen.
An einer Hochzeit zu singen ist etwas anderes, als auf einer Bühne zu stehen. Ich bin nicht der Grund, weshalb die Leute da sind – ich bin einer der Fäden, aus denen dieser Tag gewebt wird. Manchmal ein leiser, manchmal ein lauter, je nachdem, was der Moment gerade braucht. Erst kommt die Architektur. Dann die Begegnung. Dass dieser Tag für euch nur einmal stattfindet, ist mir bei jedem Auftritt bewusst – und genau das prägt, wie ich ihn angehe.
Was ich am liebsten mag, sind die kleinen Reaktionen während des Singens. Ein Lächeln, das zurückkommt. Eine Großmutter, die plötzlich anfängt mitzuwippen. Ein Brautpaar, das sich in einem Moment in die Augen sieht, den niemand vorhersagen konnte. Solche Momente kann man nicht planen. Man kann nur dafür sorgen, dass sie passieren dürfen.
Am Ende eines Abends denke ich meistens dasselbe. Wie schön das war. Wie schnell es vorbei ging. Und dass ich am liebsten gleich nochmal anfangen würde.




